Haarporosität: Low, Medium & High Porosity erklärt und richtig pflegen 2026
Haarporosität bestimmt, wie gut dein Haar Feuchtigkeit aufnimmt und hält. Lerne, welchen Typ du hast und wie du ihn optimal pflegst – mit 8 wissenschaftlichen Studien und konkreten Produktempfehlungen.

Haarporosität ist eines der wichtigsten, aber am häufigsten missverstandenen Konzepte in der Haarpflege. Wer weiß, welche Porosität sein Haar hat, kann gezielt die richtigen Produkte wählen und vermeidet, Geld für Pflegemittel auszugeben, die schlicht nicht wirken. Ob deine Haare nach dem Waschen schnell trocknen oder ewig feucht bleiben, ob Konditionierer sofort einzieht oder auf dem Haar sitzt – all das hängt direkt mit der Porosität zusammen.
In diesem Leitfaden erklären wir, was Haarporosität wissenschaftlich bedeutet, wie du deinen Porosität-Typ einfach zu Hause bestimmst und welche Pflegestrategie für niedrige, mittlere und hohe Porosität am besten funktioniert. Alle Empfehlungen basieren auf aktuellen peer-reviewed Studien aus dem Journal of Cosmetic Science und MDPI Cosmetics.
Was ist Haarporosität und warum ist sie wichtig?
Haarporosität bezeichnet die Fähigkeit des Haares, Wasser und andere Substanzen aufzunehmen und zu speichern. Sie wird primär durch den Zustand der Kutikula bestimmt – der äußersten Schicht des Haares, die aus überlappenden, schuppenartigen Zellen besteht.¹ Diese Schuppen funktionieren wie Dachziegel: Liegen sie eng aneinander, ist die Porosität niedrig; stehen sie auf oder sind beschädigt, ist die Porosität hoch.
Die Kutikula besteht aus mehreren Schichten: der Exocuticle (außen, reich an Cystin-Disulfidbrücken), der Endocuticle (innen, amorphe Proteinmasse) und dem Cell Membrane Complex (CMC), der die Zellen zusammenhält.¹ Die hydrophobe Oberfläche der Kutikula wird durch die Fettsäure 18-Methyleicosansäure (18-MEA) gebildet, die kovalent an die Oberfläche gebunden ist und bis zu 70 % der Oberflächenlipide ausmacht.¹
Warum ist das für die Pflege wichtig? Weil Porosität direkt bestimmt, wie gut Pflegeprodukte ins Haar eindringen können. Bei niedriger Porosität bleiben Konditionierer und Masken auf der Oberfläche; bei hoher Porosität dringen sie zwar leicht ein, werden aber auch schnell wieder ausgewaschen. Das Verständnis der eigenen Porosität ist daher der Schlüssel zu einer effektiven Haarpflege-Routine.
Die Haarporosität ist keine feste Eigenschaft – sie verändert sich durch chemische Behandlungen, Hitze und mechanische Belastung. Studien zeigen, dass Bleichen die Porosität messbar erhöht: Nach 24 Styling-Zyklen sinkt die Keratin-Denaturierungstemperatur um über 21 °C, was auf extreme Strukturschäden hinweist.²

Wie entsteht Haarporosität und was beeinflusst sie?
Die Haarporosität ist teils genetisch bedingt, teils durch äußere Einflüsse veränderbar. Genetisch bestimmt die Haarstruktur – ob fein, mittel oder grob – die natürliche Ausgangslage. Lockiges und krauses Haar hat von Natur aus eine etwas höhere Porosität als glattes Haar, da die Kutikula an den Krümmungspunkten stärker beansprucht wird.
Die wichtigsten externen Faktoren, die die Porosität erhöhen:
Chemische Behandlungen sind der stärkste Faktor. Bleichen erhöht die Porosität am dramatischsten: Oxidationsmittel zerstören die 18-MEA-Fettsäureschicht und lösen Disulfidbrücken in der Exocuticle auf.² Färben, Dauerwellen und chemische Glättungen haben ähnliche, wenn auch weniger extreme Auswirkungen.
Hitzeeinwirkung durch Föhnen, Glätten und Locken-Eisen schädigt die Kutikula mechanisch. Ab 180 °C beginnen Keratinproteine zu denaturieren; wiederholte Hitzeexposition erhöht die Porosität schrittweise.
Tenside in Shampoos können die Porosität erhöhen, indem sie den Cell Membrane Complex (CMC) angreifen.⁵ Sulfat-freie Shampoos sind daher für bereits geschädigtes Haar schonender.
Mechanische Belastung durch aggressives Bürsten, Reibung mit Baumwoll-Handtüchern oder enges Hochstecken schädigt die Kutikula-Schuppen und erhöht die Porosität langfristig.
Einmal durch Bleichen oder starke Hitze erhöhte Porosität kann nicht vollständig rückgängig gemacht werden. Pflegeprodukte können die Symptome lindern und die Haaroberfläche vorübergehend versiegeln, aber die strukturellen Schäden an der Kutikula bleiben bestehen. Prävention ist daher wichtiger als Reparatur.

Welche Porosität hat mein Haar? So testest du es zu Hause
Es gibt drei einfache Methoden, um die Haarporosität zu bestimmen – ohne Labor und ohne teure Geräte:
Methode 1: Der Schwimmtest (Floating Test)
Nimm ein sauberes, produktfreies Haar (z.B. aus der Haarbürste) und lege es in ein Glas mit Zimmertemperatur-Wasser. Beobachte es 2–4 Minuten lang:
Sinkt das Haar schnell auf den Boden → hohe Porosität (nimmt schnell Wasser auf). Bleibt es in der Mitte schweben → mittlere Porosität. Bleibt es an der Oberfläche → niedrige Porosität (nimmt kaum Wasser auf).
Methode 2: Der Spray-Test
Sprühe etwas Wasser auf einen kleinen Abschnitt trockener, produktfreier Haare. Perlt das Wasser ab → niedrige Porosität. Zieht das Wasser sofort ein → hohe Porosität. Zieht langsam ein → mittlere Porosität.
Methode 3: Das Gefühl beim Streicheln
Streiche mit Daumen und Zeigefinger einen Haarstrang vom Ende zur Wurzel. Fühlt sich das Haar glatt an → niedrige Porosität (glatte Kutikula). Fühlt sich rau oder holprig an → hohe Porosität (aufgerichtete Kutikula-Schuppen).
Kein einzelner Test ist 100 % zuverlässig. Führe alle drei Tests durch und vergleiche die Ergebnisse. Wenn zwei von drei Tests dasselbe Ergebnis zeigen, ist das dein wahrscheinlicher Porosität-Typ. Beachte: Produktrückstände und Öle können den Schwimmtest verfälschen – teste immer mit frisch gewaschenem, produktfreiem Haar.
Die drei Haarporosität-Typen im Vergleich
| Merkmal | Niedrige Porosität | Mittlere Porosität | Hohe Porosität |
|---|---|---|---|
| Kutikula-Zustand | Dicht geschlossen, flach | Leicht geöffnet, flexibel | Stark geöffnet oder beschädigt |
| Wasseraufnahme | Langsam, Wasser perlt ab | Normal, gleichmäßig | Schnell, saugt sofort auf |
| Feuchtigkeitsspeicherung | Gut, hält Feuchtigkeit lange | Ausgewogen | Schlecht, verliert Feuchtigkeit schnell |
| Trocknungszeit | Lange (Wasser dringt kaum ein) | Normal | Kurz (Wasser verdunstet schnell) |
| Produktaufnahme | Schwierig, Produkte sitzen auf | Gut | Sehr gut, aber auch schnell ausgewaschen |
| Häufige Ursache | Genetisch, unbehandelt | Leicht behandelt | Bleichen, Hitze, chemische Behandlungen |
Quelle: Rogers (2019), Cosmetics; Mantuan Gasparin et al. (2025), Cosmetics
Was bedeutet niedrige Haarporosität und wie pflege ich sie richtig?
Haar mit niedriger Porosität hat eine dicht geschlossene Kutikula. Das klingt zunächst positiv – und ist es auch: Unbehandeltes, gesundes Haar hat oft niedrige Porosität. Der Nachteil ist, dass Pflegeprodukte schwer eindringen können. Konditionierer und Masken bleiben auf der Haaroberfläche und können zu Produktaufbau (Build-up) führen, der das Haar schwer und glanzlos macht.
Typische Merkmale von Low-Porosity-Haar: Trocknet sehr langsam nach dem Waschen. Konditionierer zieht kaum ein. Haare fühlen sich nach Masken oft fettig an. Wasser perlt ab, anstatt einzudringen. Farbe hält schlecht oder nimmt ungleichmäßig an.
Pflegestrategie für niedrige Porosität: Das Ziel ist, die Kutikula vorübergehend zu öffnen, damit Feuchtigkeit und Wirkstoffe eindringen können. Wärme ist dabei der wichtigste Helfer: Trage Konditionierer auf und benutze eine Duschhaube oder einen Wärme-Cap für 15–30 Minuten. Die Wärme öffnet die Kutikula-Schuppen leicht und ermöglicht das Eindringen von Feuchtigkeit.
Leichte, wasserlösliche Produkte sind besser als schwere Öle und Butter, die auf der Oberfläche sitzen bleiben. Humectants wie Glycerin und Aloe Vera sind ideal, da sie Feuchtigkeit aus der Luft anziehen. Clarifying-Shampoos sollten regelmäßig (alle 2–4 Wochen) eingesetzt werden, um Produktaufbau zu entfernen.

Was bedeutet hohe Haarporosität und wie pflege ich sie richtig?
Haar mit hoher Porosität hat eine beschädigte oder stark geöffnete Kutikula. Es nimmt Feuchtigkeit zwar schnell auf, verliert sie aber genauso schnell wieder – ähnlich einem Schwamm mit großen Löchern. Hochporöses Haar ist oft das Ergebnis von Bleichen, Dauerwellen, häufigem Hitzestyling oder mechanischen Schäden.²
Typische Merkmale von High-Porosity-Haar: Trocknet sehr schnell nach dem Waschen. Fühlt sich trocken und spröde an, obwohl Produkte aufgetragen wurden. Neigt zu Frizz und Quellen bei Feuchtigkeit. Bricht leicht. Farbe hält nicht lange.
Pflegestrategie für hohe Porosität: Das Ziel ist zweierlei: Feuchtigkeit einschließen und die Kutikula-Oberfläche versiegeln. Proteinbehandlungen sind hier besonders wichtig – sie füllen Lücken in der beschädigten Kutikula und stärken die Haarstruktur.⁸ Studien zeigen, dass Proteine wie Sericin, Keratin-Hydrolysate und Weizen-Proteine die Elastizität verbessern und die Porosität messbar reduzieren.⁸
Schwere Öle und Butter wie Kokosnussöl, Sheabutter und Arganöl sind ideal, da sie die Kutikula-Oberfläche versiegeln und Feuchtigkeitsverlust verlangsamen.⁴ Kokosnussöl ist besonders effektiv, da es durch seine geringe Molekülgröße tatsächlich in den Cortex eindringt und nicht nur auf der Oberfläche versiegelt.⁴ Abschließende Spülungen mit kaltem Wasser oder leicht saurem Wasser (pH 4–5) schließen die Kutikula-Schuppen und reduzieren Frizz.
Hochporöses Haar braucht sowohl Protein als auch Feuchtigkeit – aber in der richtigen Balance. Zu viel Protein macht das Haar steif und spröde (Protein-Overload); zu wenig lässt es schlaff und übermäßig dehnbar werden. Teste nach jeder Proteinbehandlung die Elastizität: Gesundes Haar dehnt sich leicht und federt zurück. Bricht es sofort, braucht es mehr Feuchtigkeit.

Welche Inhaltsstoffe helfen bei welcher Porosität?
Die Wahl der richtigen Inhaltsstoffe ist entscheidend für eine effektive Porosität-Pflege. Was bei hoher Porosität hilft, kann bei niedriger Porosität kontraproduktiv sein – und umgekehrt.
Pflegeinhaltsstoffe nach Haarporosität
| Inhaltsstoff | Wirkung | Ideal für | Meiden bei |
|---|---|---|---|
| Glycerin | Humectant, zieht Feuchtigkeit an | Niedrige Porosität | Sehr trockener Umgebungsluft |
| Aloe Vera | Leichter Humectant, schließt Kutikula | Niedrige & mittlere Porosität | Hohe Porosität (allein) |
| Kokosnussöl | Penetriert Cortex, reduziert Porosität | Hohe Porosität | Niedrige Porosität (Build-up) |
| Sheabutter | Versiegelt Kutikula-Oberfläche | Hohe Porosität | Niedrige Porosität (zu schwer) |
| Keratin-Hydrolysat | Füllt Kutikula-Lücken, stärkt Struktur | Hohe Porosität | Gesundes, unbehandeltes Haar |
| Sericin (Seidenprotein) | Schützt vor chemischen Schäden, verbessert Elastizität | Hohe Porosität | Protein-sensitives Haar |
| Panthenol (Pro-Vitamin B5) | Feuchtigkeitsbindung, Stärkung | Alle Porosität-Typen | – |
| Cetylalkohol | Leichter Emollient, glättet Kutikula | Mittlere Porosität | Niedrige Porosität (kann aufbauen) |
Quelle: Camargo Jr. et al. (2022), J. Cosmetic Dermatology; Kaushik et al. (2022), Int. J. Cosmetic Science
Wie unterscheiden sich Pflegeprodukte für Low vs. High Porosity?
Die Produktformulierung muss zur Porosität passen. Das Grundprinzip: Je höher die Porosität, desto reichhaltiger und versiegelnder sollte das Produkt sein. Je niedriger die Porosität, desto leichter und wasserlöslicher.
Pflegeprodukte im Vergleich: Low Porosity vs. High Porosity
| Produkttyp | Low Porosity | High Porosity |
|---|---|---|
| Shampoo | Clarifying oder leichtes Sulfat-Shampoo | Sulfat-freies, feuchtigkeitsreiches Shampoo |
| Konditionierer | Leichter, wasserlöslicher Konditionierer | Tiefer Konditionierer mit Proteinen |
| Maske | Leichte Feuchtigkeitsmaske + Wärme | Intensive Protein- und Feuchtigkeitsmaske |
| Leave-in | Leichtes Spray oder Milch | Cremiges Leave-in oder Butter |
| Öl/Serum | Leichtes Öl (Arganöl, Jojoba) sparsam | Schweres Öl (Kokosnuss, Shea) großzügig |
| Anwendungstemperatur | Warm (öffnet Kutikula) | Kalt abspülen (schließt Kutikula) |
Quelle: HaarLuxus-Redaktion basierend auf Kaushik et al. (2022) und Song et al. (2023)
Haarporosität-Mythen im Check: Was stimmt wirklich?
Rund um das Thema Haarporosität kursieren viele Halbwahrheiten. Hier räumen wir mit den häufigsten Mythen auf:
Mythos 1: "Niedrige Porosität ist schlecht, hohe Porosität ist gut." Falsch. Niedrige Porosität bedeutet gesunde, intakte Kutikula. Hohe Porosität ist meist ein Zeichen von Schäden. Beide Typen brauchen spezifische Pflege, aber keiner ist per se besser.
Mythos 2: "Der Schwimmtest ist die einzig zuverlässige Methode." Nicht ganz. Der Schwimmtest kann durch Produktrückstände, Öle oder die Dichte des Haares verfälscht werden. Er ist ein guter erster Anhaltspunkt, sollte aber mit anderen Tests kombiniert werden.
Mythos 3: "Hohe Porosität kann durch Produkte dauerhaft geheilt werden." Falsch. Strukturelle Schäden an der Kutikula sind irreversibel.² Produkte können die Oberfläche vorübergehend versiegeln und die Symptome lindern, aber die Schäden bleiben. Neues, gesundes Haar wächst mit intakter Kutikula nach.
Mythos 4: "Proteinbehandlungen sind für alle porösen Haare gut." Nicht immer. Zu viel Protein kann Protein-Overload verursachen: Das Haar wird steif, spröde und bricht leicht. Proteinbehandlungen sollten dosiert und auf die individuelle Haarbeschaffenheit abgestimmt werden.
Symptome von Protein-Overload: Haar fühlt sich strohig und hart an, bricht leicht beim Kämmen, hat wenig Elastizität und federt nicht zurück. Wenn du diese Symptome bemerkst, pausiere Proteinbehandlungen für 2–4 Wochen und konzentriere dich auf intensive Feuchtigkeitspflege.

Worauf achten beim Kauf von Pflegeprodukten für poröses Haar?
Die Produktauswahl ist entscheidend – aber die Vermarktung von Haarpflegeprodukten ist oft irreführend. Hier sind die wichtigsten Kriterien:
Inhaltsstoffliste (INCI): Schau auf die ersten 5–10 Inhaltsstoffe – das sind die Hauptbestandteile. Für hohe Porosität: Proteine (Hydrolyzed Keratin, Hydrolyzed Silk, Hydrolyzed Wheat Protein) sollten in den ersten 10 Positionen stehen. Für niedrige Porosität: Leichte Humectants (Glycerin, Aloe Barbadensis Leaf Juice) vor schweren Ölen.
pH-Wert: Haarpflegeprodukte sollten einen leicht sauren pH-Wert von 4–5 haben, da dies der natürliche pH-Wert des Haares ist und die Kutikula-Schuppen schließt. Alkalische Produkte (pH > 7) öffnen die Kutikula und erhöhen die Porosität langfristig.
Sulfate: Sodium Lauryl Sulfate (SLS) und Sodium Laureth Sulfate (SLES) sind aggressive Tenside, die den CMC angreifen und die Porosität erhöhen können.⁵ Für bereits geschädigtes, hochporöses Haar sind sulfatfreie Alternativen (Cocamidopropyl Betaine, Sodium Cocoyl Isethionate) schonender.
Silikone: Silikone (erkennbar an Endungen wie -cone, -siloxane, -xane) versiegeln die Kutikula effektiv und reduzieren Frizz bei hochporösem Haar. Allerdings bauen sie sich auf und müssen regelmäßig mit einem Clarifying-Shampoo entfernt werden.
Haarporosität und Haarpflege-Routine: Was passt zusammen?
Die Porosität sollte die gesamte Haarpflege-Routine bestimmen – von der Waschfrequenz bis zur Reihenfolge der Produkte.
Low Porosity Routine: Wasche das Haar alle 5–7 Tage mit einem Clarifying-Shampoo (alle 2–4 Wochen) und einem milden Shampoo. Trage Konditionierer auf feuchtes Haar auf und nutze Wärme (Duschhaube, Wärme-Cap) für 15–30 Minuten. Spüle mit warmem Wasser aus. Verwende leichte Leave-ins und meide schwere Öle und Butter. Föhne mit mittlerer Hitze oder lass das Haar lufttrocknen.
High Porosity Routine: Wasche das Haar alle 3–5 Tage mit einem sulfatfreien Shampoo. Trage nach dem Shampoo einen Protein-Konditionierer auf, dann eine intensive Feuchtigkeitsmaske. Spüle mit kaltem Wasser aus (schließt die Kutikula). Trage ein reichhaltiges Leave-in und versiegle mit einem schweren Öl oder Butter (LOC-Methode: Liquid-Oil-Cream). Schütze das Haar nachts mit einem Satin-Kissenbezug oder einer Satin-Haube.
Medium Porosity Routine: Die ausgewogenste Routine – normales Shampoo, Standard-Konditionierer, gelegentliche Protein- und Feuchtigkeitsmasken im Wechsel. Dieser Typ ist am pflegeleichtesten und reagiert gut auf die meisten Produkte.
Wissenschaftliche Grundlagen der Haarporosität
Die Forschung zur Haarporosität hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Hier die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse:
Die Kutikula-Struktur wurde von Rogers (2019) umfassend beschrieben: Die Exocuticle enthält hochvernetzte Keratinproteine mit einem hohen Anteil an Cystin-Disulfidbrücken, die der Kutikula ihre Härte und Widerstandsfähigkeit verleihen.¹ Die hydrophobe Oberfläche wird durch 18-MEA gebildet, das kovalent an die Kutikula gebunden ist und bis zu 70 % der Oberflächenlipide ausmacht.¹
Hessefort et al. (2008) entwickelten eine Gassorptions-Methode zur präzisen Messung der Haarporosität und zeigten, dass oxidative Schäden durch Bleichen die Porosität messbar erhöhen.³ Diese Methode gilt heute als Goldstandard in der Forschung.
Mantuan Gasparin et al. (2025) untersuchten die Auswirkungen von Alltags-Styling auf die Haarporosität und fanden, dass bereits 24 Zyklen aus Waschen, Föhnen und Glätten die Keratin-Denaturierungstemperatur um über 21 °C senken – ein Zeichen für extreme Strukturschäden.² Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen (Hitzeschutz, schonende Produkte) im Alltag.
Song et al. (2023) zeigten, dass Tenside in Shampoos den Cell Membrane Complex (CMC) angreifen und so Poren in der Kutikula verursachen.⁵ Kutikula-versiegelnde Inhaltsstoffe können diesen Effekt abmildern. Kaushik et al. (2022) quantifizierten erstmals mit AFM-Technologie, wie Kokosnussöl die Haarporosität durch Penetration in den Cortex reduziert.⁴
Camargo Jr. et al. (2022) demonstrierten, dass Proteinbehandlungen mit Sericin (Seidenprotein) die Haarstruktur nach chemischen Schäden messbar verbessern: Elastizität und Glanz stiegen signifikant, während die Porosität abnahm.⁸

Unser Fazit: Welche Porosität ist ideal und was solltest du jetzt tun?
Es gibt keine "ideale" Haarporosität – jeder Typ hat seine Eigenheiten und braucht eine angepasste Pflege. Mittlere Porosität ist am pflegeleichtesten, aber auch niedrige und hohe Porosität lassen sich mit der richtigen Routine gut managen.
Der erste Schritt ist immer: Bestimme deine Porosität mit dem Schwimmtest, dem Spray-Test und dem Streicheltest. Dann passe deine Produktauswahl und Routine entsprechend an. Wenn du hochporöses Haar durch chemische Behandlungen hast, ist Prävention das Wichtigste: Hitzeschutz, sulfatfreie Shampoos und regelmäßige Proteinbehandlungen können weitere Schäden minimieren.
Für gezielte Produktempfehlungen haben wir die besten Pflegeprodukte für jede Porosität getestet und verglichen.
So bestimmst und pflegst du deine Haarporosität richtig
Porosität testen
Führe alle drei Tests durch: Schwimmtest (sauberes Haar in Wasser legen), Spray-Test (Wasser auf trockenes Haar sprühen) und Streicheltest (Haar vom Ende zur Wurzel streicheln). Notiere die Ergebnisse und bestimme deinen Typ.
Produkte anpassen
Wähle Produkte passend zu deiner Porosität: Leichte, wasserlösliche Produkte für niedrige Porosität; reichhaltige, proteinreiche Produkte für hohe Porosität. Überprüfe die INCI-Liste auf die empfohlenen Inhaltsstoffe.
Routine aufbauen
Erstelle eine Routine, die zu deiner Porosität passt: Low Porosity braucht Wärme beim Konditionieren; High Porosity braucht kalte Abspülungen und die LOC-Methode (Liquid-Oil-Cream).
Schäden minimieren
Reduziere Faktoren, die die Porosität erhöhen: Verwende immer Hitzeschutz vor dem Föhnen oder Glätten, wähle sulfatfreie Shampoos für geschädigtes Haar und vermeide mechanische Belastung (aggressives Bürsten, Baumwoll-Handtücher).
Regelmäßig überprüfen
Die Haarporosität kann sich durch Behandlungen, Jahreszeiten und Pflegeänderungen verändern. Teste deine Porosität alle 3–6 Monate erneut und passe deine Routine entsprechend an.
Die besten Shampoos für geschädigtes Haar
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Häufig gestellte Fragen
Quellen & Methodik
- Rogers, G.E.. Known and Unknown Features of Hair Cuticle Structure: A Brief Review. Cosmetics, 2019. DOI: 10.3390/cosmetics6020032
Grundlagenwerk zur Kutikula-Struktur; erklärt die drei Schichten und die hydrophobe 18-MEA-Oberfläche. 59× zitiert.
- Mantuan Gasparin, R., Botelho Lourenço, C., Ricci Leonardi, G.. Porosity and Resistance of Textured Hair: Assessing Chemical and Physical Damage Under Consumer-Relevant Conditions. Cosmetics, 2025. DOI: 10.3390/cosmetics12030093
Aktuelle Studie (2025): Bleichen und Alltags-Styling erhöhen Porosität messbar; Keratin-Denaturierungstemperatur sinkt um >21°C.
- Hessefort, Y.Z., Holland, B.T., Cloud, R.W.. True porosity measurement of hair: a new way to study hair damage mechanisms. Journal of Cosmetic Science, 2008
Erstmals Gassorptions-Methode zur Messung echter Haarporosität; Oxidation erhöht Porosität messbar. 45× zitiert.
- Kaushik, V., Kumar, A., Gosvami, N.N.. Benefit of coconut-based hair oil via hair porosity quantification. International Journal of Cosmetic Science, 2022. DOI: 10.1111/ics.12774
Kokosnussöl reduziert Haarporosität durch Penetration in den Cortex; quantitative Messung mit AFM. 17× zitiert.
- Song, S.H., Park, H.S., Jeon, J., Son, S.K., Kang, N.G.. Hair pores caused by surfactants via the cell membrane complex and a prevention strategy through the use of cuticle sealing. Cosmetics, 2023. DOI: 10.3390/cosmetics10060161
Tenside in Shampoos erhöhen Haarporosität durch Schäden am CMC; Kutikula-Versiegelung als Prävention.
- Breakspear, S., Ivanov, D.A., Noecker, B.. Cuticle – Designed by nature for the sake of the hair. International Journal of Cosmetic Science, 2022. DOI: 10.1111/ics.12782
Umfassende Übersicht der Kutikula-Funktion; erklärt wie Schäden die Hydrophobizität der Haaroberfläche verändern. 19× zitiert.
- Nagase, S.. Hair structures affecting hair appearance. Cosmetics, 2019. DOI: 10.3390/cosmetics6030043
Poröse Struktur des Cortex und der Medulla; Einfluss der Kutikula auf Glanz und Farbwirkung. 31× zitiert.
- Camargo Jr., F.B., Minami, M.M., Rossan, M.R.. Prevention of chemically induced hair damage by means of treatment based on proteins and polysaccharides. Journal of Cosmetic Dermatology, 2022. DOI: 10.1111/jocd.14148
Proteinbehandlungen (Sericin) schützen vor Bleich-Schäden und verbessern Porosität; Elastizität und Glanz verbessert. 23× zitiert.
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Über den Autor
Lena Weber
Senior Redakteurin & Friseurmeisterin
Lena Weber ist Kosmetikwissenschaftlerin (B.Sc. Cosmetic Science, Hochschule Fresenius) und Chefredakteurin bei HaarLuxus. Mit über 8 Jahren Erfahrung in der Haarpflege-Forschung und mehr als 120 verfassten Produkttests ist sie spezialisiert auf die wissenschaftliche Analyse von Haarpflegeinhaltsstoffen und thermischen Behandlungsmethoden. Ihre Testmethodik basiert auf peer-reviewed Studien und standardisierten Labortests.
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