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Keratin: Was es ist, wie es wirkt und warum es für gesundes Haar entscheidend ist

Lena Weber15 Min. Lesezeit

Keratin ist das wichtigste Strukturprotein deines Haares und macht über 90 % seiner Masse aus. Erfahre, wie es funktioniert, welche Behandlungen wirklich helfen und was die Wissenschaft dazu sagt.

Keratin: Was es ist, wie es wirkt und warum es für gesundes Haar entscheidend ist – HaarLuxus

Kurz & knapp: Was ist Keratin?

Keratin ist ein faserförmiges Strukturprotein, das über 90 % der Haarmasse ausmacht. Es besteht aus langen Aminosäureketten, die sich zu α-Helices aufwickeln und durch Disulfidbrücken miteinander verbunden sind. Diese Struktur verleiht dem Haar seine Festigkeit, Elastizität und Widerstandsfähigkeit gegenüber mechanischen und chemischen Einflüssen.

Keratin ist überall: in Shampoos, Conditionern, Masken und professionellen Salon-Behandlungen. Doch was steckt wirklich hinter diesem Begriff, der auf jedem zweiten Haarpflegeprodukt prangt? Und warum unterscheiden sich ein 5-Euro-Keratin-Shampoo und eine 200-Euro-Salon-Behandlung so fundamental in ihrer Wirkung? Die Antwort liegt in der molekularen Struktur des Keratins selbst – und in der Wissenschaft dahinter, die die Kosmetikindustrie oft vereinfacht oder missversteht.

Dieser Leitfaden erklärt, was Keratin auf molekularer Ebene ist, wie es in der Haarfaser wirkt, welche Behandlungen tatsächlich Ergebnisse liefern und welche Mythen die Industrie hartnäckig am Leben hält. Alle Aussagen basieren auf peer-reviewed Studien aus führenden kosmetikwissenschaftlichen Journals.

Was ist Keratin und wie ist es in der Haarfaser aufgebaut?

Keratin gehört zur Familie der Intermediärfilament-Proteine und ist das dominierende Strukturprotein in Haaren, Nägeln und der äußeren Hautschicht. Im Haar unterscheidet man zwei Haupttypen: die α-Keratine (Typ-I und Typ-II), die die Grundstruktur der Haarfaser bilden, und die Keratin-assoziierten Proteine (KAPs), die die Keratinfilamente miteinander vernetzen und der Faser ihre mechanische Stabilität verleihen.¹

Die Haarfaser ist hierarchisch aufgebaut: Auf der äußersten Ebene liegt die Kutikula, eine schuppenartige Schutzschicht aus abgeflachten, toten Zellen. Darunter befindet sich der Kortex, der 80–85 % der Haarmasse ausmacht und aus dicht gepackten Makrofibrillen besteht. Diese Makrofibrillen setzen sich aus Mikrofibrillen zusammen, die wiederum aus Keratinfilamenten bestehen – spiralförmig aufgewickelten α-Helices aus je zwei Keratinproteinen (einem Typ-I und einem Typ-II), die sich zu einem Coiled-Coil-Dimer zusammenlagern.²

Entscheidend für die Festigkeit des Haares sind die Disulfidbrücken zwischen Cysteinresten benachbarter Keratinketten. Je mehr Disulfidbrücken vorhanden sind, desto widerstandsfähiger und weniger porös ist das Haar. Chemische Behandlungen wie Dauerwellen, Blondierungen oder Relaxer brechen diese Brücken auf – was erklärt, warum chemisch behandeltes Haar anfälliger für Schäden ist.

Infografik: Haarstruktur und Keratin-Aufbau – Kutikula, Kortex, Makrofibrillen und α-Helices
Abb. 1: Hierarchischer Aufbau der Haarfaser von der Kutikula bis zu den α-helikalen Keratinfilamenten. © HaarLuxus
Keratin ≠ Keratin: Warum das Molekulargewicht entscheidend ist

Nicht jedes Keratin-Produkt wirkt gleich. Entscheidend ist das Molekulargewicht des hydrolysierten Keratins: Niedermolekulare Peptide (< 1.000 Da) penetrieren den Haarkortex und reparieren von innen. Hochmolekulare Keratine (> 10.000 Da) lagern sich nur auf der Haaroberfläche ab und verbessern das Erscheinungsbild, ohne die Struktur zu reparieren.

Wie wirkt hydrolysiertes Keratin in Haarpflegeprodukten?

Keratin in seiner natürlichen Form ist wasserunlöslich und kann nicht in Pflegeprodukte eingearbeitet werden. Deshalb wird es hydrolysiert – durch saure, alkalische oder enzymatische Spaltung in kleinere Peptide und Aminosäuren zerlegt. Das Ergebnis ist "hydrolysiertes Keratin", das wasserlöslich ist und in Shampoos, Conditionern und Masken verwendet werden kann.³

Eine wegweisende Studie von Malinauskyte et al. (2021) untersuchte, wie tief hydrolysierte Keratine verschiedener Molekulargewichte in die Haarfaser eindringen. Die Ergebnisse waren eindeutig: Niedermolekulare Keratinpeptide (221 Da) penetrierten tief in den Haarkortex und verbesserten die mechanischen Eigenschaften des Haares signifikant. Mittelmolekulare Peptide (2.577 Da) drangen ebenfalls in den Kortex ein und erhöhten den Young's Modulus. Hochmolekulare Keratine (75.440 Da) hingegen lagerten sich nur auf der Haaroberfläche ab.⁴

Für den Verbraucher bedeutet das: Ein Keratin-Shampoo mit hochmolekularem Keratin verbessert zwar das Erscheinungsbild des Haares (Glanz, Kämmbarkeit), repariert aber keine strukturellen Schäden. Für echte Reparatur sind Produkte mit niedermolekularen Keratinpeptiden erforderlich – typischerweise als "Keratin-Peptide" oder "hydrolysiertes Keratin (niedermolekular)" auf der Inhaltsstoffliste ausgewiesen.

Keratin-Molekulargewicht und Wirkung auf die Haarfaser

MolekulargewichtPenetrationstiefeHauptwirkungTypische Produkte
< 500 Da (Aminosäuren)Tief in KortexVolumenerhöhung, FeuchtigkeitsbindungHochwertige Masken, Serums
500–5.000 Da (Peptide)Kortex bis KutikulaStrukturreparatur, BruchreduzierungProfessionelle Pflegeprodukte
5.000–50.000 DaKutikula-OberflächeGlätten, GlanzverbesserungStandard-Conditioner
> 50.000 DaNur OberflächeOberflächliche BeschichtungGünstige Keratin-Shampoos

Malinauskyte et al., Int J Cosmet Sci, 2021; Fan et al., PMC, 2025

Welche Keratin-Behandlungen gibt es und wie unterscheiden sie sich?

Der Begriff "Keratin-Behandlung" umfasst ein breites Spektrum an Produkten und Methoden, die sich in Wirkweise, Inhaltsstoffen und Risikoprofil erheblich unterscheiden. Grundsätzlich lassen sich vier Kategorien unterscheiden: professionelle Glättungsbehandlungen, Salon-Pflegebehandlungen, At-Home-Pflegeprodukte und orale Supplements.

Die bekannteste Form ist die professionelle Keratin-Glättung (auch "Brazilian Blowout" genannt). Bei dieser Methode wird eine Keratin-haltige Lösung auf das Haar aufgetragen und anschließend mit einem Glätteisen bei 200–230 °C eingearbeitet. Die Hitze bewirkt, dass das Keratin mit der Haarfaser verschmilzt und die Kutikula versiegelt. Das Ergebnis: glattes, glänzendes Haar für 3–6 Monate. Das Problem: Viele dieser Produkte enthalten Formaldehyd oder Formaldehydabspalter (wie Methylene Glycol), die bei der Erhitzung als Gas freigesetzt werden und gesundheitsschädlich sind.⁵

Professionelle Keratin-Behandlung im Salon
Professionelle Keratin-Behandlungen im Salon erzielen die stärksten Ergebnisse. Foto: Unsplash
Formaldehyd in Keratin-Behandlungen: Gesundheitsrisiko beachten

Die US-amerikanische FDA warnt ausdrücklich vor Keratin-Glättungsprodukten, die Formaldehyd oder Formaldehydabspalter enthalten. Bei der Erhitzung wird Formaldehyd als Gas freigesetzt und kann Augen-, Nasen- und Rachenreizungen sowie bei chronischer Exposition Krebsrisiken verursachen. Achte auf formaldehyd-freie Alternativen auf Glyoxylsäure-Basis.

Keratin-Behandlungstypen im Vergleich

BehandlungstypWirkdauerWirkstoffRisikoKosten
Professionelle Glättung (Formaldehyd)3–6 MonateFormaldehyd/Methylene GlycolHoch (Gesundheitsrisiko)150–400 €
Professionelle Glättung (Formaldehyd-frei)2–4 MonateGlyoxylsäureGering100–300 €
Salon-Pflegebehandlung4–8 WochenHydrolysiertes KeratinSehr gering30–80 €
At-Home Maske/Conditioner1–2 WäschenHydrolysiertes Keratin (HMW)Keine5–30 €
Orale SupplementsLangfristig (3+ Monate)Keratin-Aminosäuren + BiotinSehr gering20–60 €/Monat

FDA, 2024; Dermatology Times, 2025; eigene Recherche

Wie unterscheiden sich Keratin-Produkte in der Qualität?

Die Qualität von Keratin-Produkten hängt von drei Faktoren ab: der Herkunft des Keratins, dem Molekulargewicht der Peptide und der Konzentration im Endprodukt. Keratin kann aus verschiedenen Quellen gewonnen werden: Wolle (am häufigsten), Federn, Hornsubstanz oder biotechnologisch hergestellt. Wollkeratin gilt als besonders hochwertig, da es strukturell dem menschlichen Haarkeratin am ähnlichsten ist.⁶

Ein weiterer wichtiger Qualitätsindikator ist die Position von "Hydrolysiertes Keratin" in der INCI-Liste. Je weiter vorne ein Inhaltsstoff steht, desto höher ist seine Konzentration. Steht "Hydrolyzed Keratin" weit hinten (nach Duftstoffen oder Konservierungsmitteln), ist die Konzentration so gering, dass kaum ein Effekt zu erwarten ist. Hochwertige Keratin-Produkte listen es unter den ersten zehn Inhaltsstoffen.

Welcher Keratin-Typ ist für welchen Haartyp geeignet?

Nicht jedes Keratin-Produkt ist für jeden Haartyp geeignet. Feines, dünnes Haar profitiert besonders von niedermolekularen Keratinpeptiden, die das Haarvolumen erhöhen, ohne das Haar zu beschweren. Dickes, poröses oder chemisch behandeltes Haar benötigt hochmolekulare Keratine, die die Kutikula versiegeln und das Haar glätten. Lockiges und krauses Haar kann von professionellen Keratin-Glättungen profitieren, sollte aber auf formaldehyd-freie Produkte bestehen.

Besonders wichtig ist die Protein-Feuchtigkeit-Balance: Haare, die zu viel Protein erhalten, können spröde und brüchig werden. Dieses Phänomen, bekannt als "Protein-Overload", tritt auf, wenn die Haarfaser mit Proteinen gesättigt ist und keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen kann. Das Gleichgewicht zwischen Protein-Behandlungen und feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukten ist daher entscheidend.

Keratin-Mythen im Check: Was stimmt wirklich?

Die Keratin-Industrie ist voll von Halbwahrheiten und Marketingversprechen. Drei der hartnäckigsten Mythen im wissenschaftlichen Check:

Mythos 1: "Keratin-Behandlungen reparieren das Haar dauerhaft." Die Realität: Keratin-Behandlungen füllen poröse Stellen in der Haarfaser temporär auf. Sie reparieren keine chemischen Schäden an den Disulfidbrücken. Sobald die Behandlung herauswächst oder ausgewaschen wird, ist der Effekt weg. Echte Reparatur ist bei stark geschädigtem Haar nur durch Nachwachsen möglich.

Mythos 2: "Keratin-Shampoos sind genauso effektiv wie Salon-Behandlungen." Die Realität: Keratin-Shampoos enthalten in der Regel hochmolekulares Keratin, das nur auf der Haaroberfläche wirkt und bei jedem Waschen abgespült wird. Salon-Behandlungen verwenden niedermolekulare Peptide in hoher Konzentration, die durch Hitze tief in die Haarfaser eingearbeitet werden. Der Unterschied in der Wirkung ist fundamental.⁴

Mythos 3: "Mehr Keratin ist immer besser." Die Realität: Zu viel Protein kann das Haar spröde und brüchig machen. Die Protein-Feuchtigkeit-Balance ist entscheidend. Wer täglich Keratin-Produkte verwendet, sollte gleichzeitig feuchtigkeitsspendende Produkte einsetzen, um das Gleichgewicht zu erhalten.

So erkennst du hochwertige Keratin-Produkte

Achte auf diese Punkte beim Kauf: (1) "Hydrolyzed Keratin" steht unter den ersten 10 INCI-Inhaltsstoffen. (2) Das Molekulargewicht ist angegeben (niedermolekular = besser für Reparatur). (3) Keine Formaldehydabspalter (Methylene Glycol, Formaldehyde, Formalin) in der Inhaltsstoffliste. (4) Wollkeratin oder biotechnologisch hergestelltes Keratin bevorzugen.

Worauf sollte man beim Kauf von Keratin-Produkten achten?

Bei der Auswahl von Keratin-Produkten sind vier Kriterien entscheidend: die Position in der INCI-Liste, das Molekulargewicht, die Herkunft des Keratins und die Abwesenheit problematischer Inhaltsstoffe. Hochwertige Keratin-Produkte listen "Hydrolyzed Keratin" oder "Keratin Amino Acids" weit oben in der Inhaltsstoffliste und geben idealerweise das Molekulargewicht an.

Für professionelle Salon-Behandlungen gilt: Frag ausdrücklich nach formaldehyd-freien Produkten. Seriöse Salons verwenden heute Glyoxylsäure-basierte Systeme, die ähnliche Ergebnisse ohne Gesundheitsrisiken erzielen. Die Behandlung sollte in einem gut belüfteten Raum stattfinden, und der Friseur sollte Schutzhandschuhe tragen.

Infografik: Keratin-Produkte Vergleich – Wirkung nach Molekulargewicht und Behandlungstyp
Abb. 2: Übersicht der Keratin-Behandlungstypen nach Wirktiefe, Dauer und Risikoprofil. © HaarLuxus
Hochwertige Keratin-Haarpflegeprodukte – Restorative Hair Mask
Hochwertige Keratin-Produkte unterscheiden sich durch das Molekulargewicht des enthaltenen Keratins. © Unsplash

Wie integriert man Keratin sinnvoll in die Haarpflege-Routine?

Keratin-Produkte sollten nicht täglich, sondern gezielt eingesetzt werden. Eine sinnvolle Routine für normales bis leicht geschädigtes Haar: einmal pro Woche eine Keratin-Maske (10–15 Minuten Einwirkzeit), ergänzt durch einen feuchtigkeitsspendenden Conditioner bei jedem Waschen. Für stark geschädigtes Haar empfiehlt sich alle 4–6 Wochen eine professionelle Salon-Behandlung.

Wichtig: Keratin-Behandlungen und Hitzeschutz gehören zusammen. Da Hitze über 150 °C die Keratinstruktur irreversibel schädigt, ist ein Hitzeschutzprodukt vor jedem Styling mit Föhn, Glätteisen oder Lockenstab unverzichtbar. Besonders nach einer Keratin-Behandlung ist das Haar für Hitzeschäden anfälliger, da die Kutikula geöffnet wurde.

Keratin im Vergleich: Wie schneidet es gegenüber anderen Pflegeproteinen ab?

Neben Keratin werden in der Haarpflege weitere Proteine eingesetzt: Kollagen, Seidenprotein, Weizenprotein und Sojaprotein. Jedes hat spezifische Eigenschaften und Vorteile. Keratin ist das einzige Protein, das strukturell identisch mit dem Haarprotein ist – was theoretisch die beste Biokompatibilität bedeutet. In der Praxis ist jedoch das Molekulargewicht wichtiger als die Proteinquelle.

Pflegeproteine im Vergleich: Keratin, Kollagen, Seidenprotein und Weizenprotein

ProteinQuelleHauptwirkungBeste fürTypisches MW
KeratinWolle, Federn, biotechStrukturreparatur, GlättungGeschädigtes, poröses Haar200–75.000 Da
KollagenRind, Fisch, biotechFeuchtigkeitsbindung, VolumenFeines, dünnes Haar300–3.000 Da
SeidenproteinSeidenraupeGlanz, KämmbarkeitNormales bis trockenes Haar1.000–10.000 Da
WeizenproteinWeizenkeimFeuchtigkeitsbindung, StärkungBrüchiges Haar1.000–5.000 Da
SojaproteinSojabohneVolumen, ElastizitätFeines, kraftloses Haar500–2.000 Da

Neudahl, Proteins for conditioning hair and skin, 2021; eigene Recherche

Wissenschaftliche Grundlagen: Was sagt die Forschung zu Keratin?

Die Forschung zu Keratin in der Haarpflege hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Eine 2025 veröffentlichte Studie von Fan et al. untersuchte die Schutzwirkung von hydrolysiertem Keratin gegen UV-induziertes Photoaging der Haarfaser. Die Ergebnisse zeigten, dass Keratin-Peptide die Zugfestigkeit und Streckspannung des Haares nach UV-Exposition signifikant verbesserten.¹ Eine weitere aktuelle Studie von Carvalho et al. (2025) entwickelte bioinspirierte Fusionspeptide, die die mechanischen und thermischen Eigenschaften des Haares durch gezielte Keratin-Peptid-Interaktionen verbessern.²

Besonders interessant ist die Forschung zur intradermalen Keratin-Injektion: An et al. (2022) zeigten in einer Tierstudie, dass Keratin-Injektionen die Haarfollikelbildung fördern und das Haarwachstum anregen können.⁷ Ob dieser Effekt auf topische Anwendungen übertragbar ist, ist noch Gegenstand der Forschung. Die Biotechnologie eröffnet zudem neue Möglichkeiten: Rekombinante Keratinproteine können gezielt für spezifische Haarpflegeanwendungen optimiert werden.⁸

Unser Fazit: Keratin ist unverzichtbar – aber nur wenn richtig eingesetzt

Keratin ist kein Marketingbegriff, sondern das fundamentale Strukturprotein deines Haares. Die Wissenschaft ist eindeutig: Niedermolekulare Keratinpeptide können echte Reparatureffekte erzielen, wenn sie in ausreichender Konzentration und mit der richtigen Methode angewendet werden. Hochmolekulare Keratine in günstigen Produkten verbessern das Erscheinungsbild, reparieren aber keine strukturellen Schäden.

Für die Praxis gilt: Investiere in hochwertige Keratin-Masken mit niedermolekularen Peptiden für die wöchentliche Pflege, und erwäge eine professionelle formaldehyd-freie Keratin-Behandlung für langanhaltende Ergebnisse. Vermeide Produkte mit Formaldehyd oder Formaldehydabspaltern – die Risiken überwiegen die Vorteile bei weitem. Und denke immer daran: Keratin-Pflege und Hitzeschutz gehören untrennbar zusammen.

So wenden Sie Keratin-Produkte richtig an

  1. Haartyp und Schadengrad bestimmen

    Analysiere deinen Haartyp (fein/mittel/dick) und den Schadengrad (unbehandelt/gefärbt/gebleicht). Stark geschädigtes Haar benötigt niedermolekulare Keratin-Peptide; unbehandeltes Haar profitiert von hochmolekularen Keratinen für Glanz und Kämmbarkeit.

  2. Richtiges Produkt auswählen

    Prüfe die INCI-Liste: "Hydrolyzed Keratin" oder "Keratin Amino Acids" sollte unter den ersten 10 Inhaltsstoffen stehen. Vermeide Produkte mit Formaldehyd, Methylene Glycol oder Formalin. Für maximale Wirkung: Produkte mit Angabe des Molekulargewichts bevorzugen.

  3. Haar vorbereiten

    Wasche das Haar mit einem klärenden Shampoo (ohne Silikone) um Rückstände zu entfernen. Trockne das Haar leicht ab – es sollte feucht, aber nicht nass sein. Feuchtes Haar nimmt Wirkstoffe besser auf als trockenes oder nasses Haar.

  4. Keratin-Produkt auftragen und einwirken lassen

    Trage die Keratin-Maske gleichmäßig auf alle Haarabschnitte auf, besonders auf die Längen und Spitzen. Lass das Produkt 10–20 Minuten einwirken (mit Wärmehaube für bessere Penetration). Spüle gründlich aus und konditioniere anschließend.

  5. Ergebnis pflegen und Hitzeschutz nicht vergessen

    Verwende nach der Keratin-Behandlung immer einen Hitzeschutz vor dem Föhnen oder Stylen. Wiederhole die Keratin-Maske wöchentlich für optimale Ergebnisse. Wechsle alle 2–3 Wochen zu einer feuchtigkeitsspendenden Maske, um die Protein-Feuchtigkeit-Balance zu erhalten.

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Häufig gestellte Fragen

Keratin-Shampoos enthalten hochmolekulares Keratin, das nur auf der Haaroberfläche wirkt und bei jedem Waschen abgespült wird. Professionelle Behandlungen verwenden niedermolekulare Peptide in hoher Konzentration, die durch Hitze tief in die Haarfaser eingearbeitet werden und 3–6 Monate halten. Der Unterschied in der Wirktiefe und -dauer ist fundamental.
Keratin-Behandlungen selbst sind nicht schädlich – problematisch sind Produkte mit Formaldehyd oder Formaldehydabspaltern. Diese können bei der Erhitzung gesundheitsschädliche Gase freisetzen. Formaldehyd-freie Alternativen auf Glyoxylsäure-Basis sind sicher und erzielen ähnliche Ergebnisse. Achte immer auf die Inhaltsstoffliste.
Für normale Pflege empfiehlt sich eine Keratin-Maske einmal pro Woche. Täglich angewendet kann Keratin zu "Protein-Overload" führen – das Haar wird spröde und brüchig. Wechsle alle 2–3 Wochen zu einer feuchtigkeitsspendenden Maske, um die Protein-Feuchtigkeit-Balance zu erhalten.
Topisch angewendetes Keratin fördert das Haarwachstum nicht direkt. Es stärkt jedoch die vorhandene Haarfaser und reduziert Haarbruch, was zu längerem, gesünder erscheinendem Haar führt. Studien zeigen, dass intradermale Keratin-Injektionen die Haarfollikelbildung anregen können – dieser Effekt ist auf topische Produkte jedoch nicht übertragbar.
Für stark geschädigtes Haar (gebleicht, dauerwelliert, mehrfach gefärbt) sind Produkte mit niedermolekularen Keratin-Peptiden (< 2.000 Da) am effektivsten. Diese penetrieren tief in den Haarkortex und reparieren Schäden von innen. Ergänzend empfiehlt sich eine professionelle formaldehyd-freie Keratin-Behandlung alle 3–4 Monate.
Ja, aber mit Einschränkungen. Keratin-Pflegeprodukte (Masken, Conditioner) sind für lockiges Haar sehr gut geeignet und verbessern Definition, Glanz und Kämmbarkeit. Professionelle Keratin-Glättungen reduzieren die Locken dauerhaft – wer seine Locken behalten möchte, sollte auf Pflegeprodukte ohne Glättungseffekt setzen.
Einfache Keratin-Masken und -Conditioner können problemlos zu Hause angewendet werden. Professionelle Keratin-Glättungen (Brazilian Blowout) sollten jedoch nur im Salon durchgeführt werden, da die Produkte spezielle Kenntnisse und Ausrüstung erfordern und bei unsachgemäßer Anwendung Gesundheitsrisiken bestehen.

Quellen & Methodik

  1. Fan, J. et al.. Performance and Mechanism of Hydrolyzed Keratin for Hair Photoaging Protection. PMC (National Institutes of Health), 2025. DOI: 10.3390/cosmetics12010029

    Hydrolysiertes Keratin verbessert Zugfestigkeit und Streckspannung des Haares nach UV-Exposition signifikant.

  2. Carvalho, J. et al.. Peptide-keratin interactions for enhanced hair properties. Cell Reports Physical Science, 2025. DOI: 10.1016/j.xcrp.2025.102499

    Bioinspirierte Fusionspeptide verbessern mechanische und thermische Eigenschaften der Haarfaser.

  3. Mehrabi, M. et al.. Exploring the Functional Properties of Hydrolyzed Keratin. ACS Omega, 2025. DOI: 10.1021/acsomega.4c10755

    Untersuchung der Oberflächenaktivität und Emulgiereigenschaften von hydrolysiertem Keratin für kosmetische Anwendungen.

  4. Malinauskyte, E.; Shrestha, R.; Cornwell, P.A.; Gourion-Arsiquaud, S.; Hindley, M.. Penetration of different molecular weight hydrolysed keratins into hair fibres. International Journal of Cosmetic Science, 2021. DOI: 10.1111/ics.12663

    Niedermolekulare Keratinpeptide (221 Da) penetrieren tief in den Haarkortex; hochmolekulare Keratine lagern sich nur auf der Oberfläche ab.

  5. U.S. Food and Drug Administration. Hair Smoothing Products That Release Formaldehyde When Heated. FDA.gov, 2024

    FDA-Warnung vor Keratin-Glättungsprodukten mit Formaldehyd oder Formaldehydabspaltern und deren Gesundheitsrisiken.

  6. Neudahl, G.. Proteins for conditioning hair and skin. Conditioning Agents for Hair and Skin (Taylor & Francis), 2021. DOI: 10.1201/9781003064954-7

    Übersicht über Pflegeproteine für Haar und Haut, einschließlich Keratin, Kollagen, Seidenprotein und Weizenprotein.

  7. An, Y. et al.. Intradermal injection of keratin promotes hair follicle formation and hair growth. Communications Biology (Nature), 2022. DOI: 10.1038/s42003-022-04232-9

    Intradermale Keratin-Injektion fördert Haarfollikelbildung und Haarwachstum im Mausmodell.

  8. Dermatology Times Editorial Team. Keratin Hair Treatments and Formaldehyde Exposure. Dermatology Times, 2025

    Klinische Übersicht zu Keratin-Haarglättungsbehandlungen und Formaldehyd-Exposition.

  9. Manno, M. et al.. Characterization of formaldehyde exposure resulting from the use of four professional hair straightening products. PubMed (NCBI), 2012. DOI: 10.1097/JOM.0b013e31823d2e2c

    Expositionsstudie zu Formaldehyd-Freisetzung bei professionellen Keratin-Glättungsbehandlungen im Salon.

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Über den Autor

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Lena Weber

Senior Redakteurin & Friseurmeisterin

Lena Weber ist Kosmetikwissenschaftlerin (B.Sc. Cosmetic Science, Hochschule Fresenius) und Chefredakteurin bei HaarLuxus. Mit über 8 Jahren Erfahrung in der Haarpflege-Forschung und mehr als 120 verfassten Produkttests ist sie spezialisiert auf die wissenschaftliche Analyse von Haarpflegeinhaltsstoffen und thermischen Behandlungsmethoden. Ihre Testmethodik basiert auf peer-reviewed Studien und standardisierten Labortests.

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